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Marcus Weinberg Altona

Der Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages plant für die Dauer der 19. Wahlperiode ein „Parlamentarisches Begleitgremium Covid-19-Pandemie“ als Unterausschuss einzusetzen. Das Begleitgremium soll aus 21 Mitgliedern bestehen und aktuelle sowie künftige gesundheitliche und soziale Fragen der Bewältigung der Covid-19-Pandemie behandeln und auf wissenschaftlicher Grundlage Handlungsempfehlungen geben. Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wurde von seiner Fraktion als ordentliches Mitglied nominiert.

Dazu erklärt Marcus Weinberg:

Seit Ausbruch der Pandemie leisten Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche in unserem Land Unglaubliches, mit dem aktuellen Lockdown sind sie am Rand ihrer Belastungsgrenze. Viele Familien, Eltern und auch Kinder und Jugendliche sind erschöpft.

Die Familien, die Kinder und Jugendlichen müssen im täglichen Leben mit den Sorgen, Nöten und Existenzängsten zurechtkommen. Für Kinder und Jugendliche sind die Zugänge zu Bildung, der soziale Umgang in der vertrauten Gemeinschaft, Sport und Freizeit weiterhin massiv eingeschränkt. Viele Eltern und Bildungsexperten befürchten, dass sich der fehlende Unterricht negativ auf das Bildungs- und Leistungsniveau ihrer Kinder auswirkt. Gerade Kinder aus bildungsfernen Familien verlieren den Anschluss. Zusätzlich belasten die fehlenden oder eingeschränkten Angebote der Kinder- und Jugendhilfe viele vulnerable Gruppen wie Kinder mit Behinderungen oder Kinder mit familiären Problemen oder in psychischen Notlagen. Frustration, Niedergeschlagenheit, Antriebsschwäche bis hin zur Depression nehmen auch bei Kindern und Jugendlichen in stabilen Familiensituationen zu, berichten Kinder- und Jugendärzte.

Diese Auswirkungen der sozialen Begleiterscheinungen der Pandemie werden momentan immer deutlicher spürbar. Die Folgen werden weit über das Ende der Pandemie hinausgehen. Wir sind auf Kontakte, auf soziale Interaktion, auf Kommunikation genauso angewiesen wie auf kulturelle und sportliche Aktivität und Bildungserlebnisse.

Es gilt: Sicherheit und Schutz unserer Kinder zuerst, gerade vor dem Hintergrund neuer und gefährlicher Mutationen. Es ist aber auch jetzt der Zeitpunkt gekommen, für die Rückkehr in die soziale Normalität für Kinder und Jugendliche sowie ihren Familien eine klare und dauerhafte Perspektive zu schaffen. Dafür werde ich mich in diesem parlamentarischen Begleitgremium Covid-19 einsetzen. Folgende Punkte sind dabei wichtig:

  1. Nationaler Kinder- und Jugendgipfel. Kinder und Jugendliche wissen selbst sehr gut, was ihnen im Lockdown gefehlt hat, und genauso, womit sie gut zurechtgekommen sind. Sie sollten zu ihren Erfahrungen und Vorstellungen für die nächste Zukunft befragt werden – und ihre Anregungen in die weitere Arbeit einfließen. Um diesen Ansatz sichtbar deutschlandweit sichtbar zu machen, sollte der Kinder- und Jugendgipfel im Kanzleramt, zeitnah stattfinden. Die Konferenz der Jugend- und Familienminister muss deutlich vorgezogen werden. Der 6. Mai ist zu spät.
  2. Bestandsaufnahmen der Folgen breit durchführen. Um geeignete Maßnahmen zur Abmilderung der psychosozialen Folgen und der Bildungsdefizite zu entwickeln, braucht es ein gutes Zuhören und eine breite Diskussion mit den Verantwortlichen in der Familie- Kinder- und Jugendhilfe. Wir wollen langfristig nach der Corona-Pandemie durchstarten und brauchen dafür eine klare Beschreibung der veränderten Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen.
  3. Kitas und Schulen und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche müssen schnellstmöglich wieder vollständig hygienegesichert geöffnet werden. Dafür braucht es eine zwischen Bund und Ländern klar abgestimmte Teststrategie. Jedes Kind muss an jedem Tag über einen Selbsttest verfügen können und noch im April muss es möglich sein, die Schulen und Kindertagesstätten wieder für den Regelbetrieb zu öffnen.
  4. Aktuelle Lernstandserhebungen in allen Jahrgängen außerhalb der Abschlussklassen. Eine zielgenaue Nachsorgestrategie muss parallel zur Öffnung vorbereitet werden und kann auf diesen Erhebungen aufbauen.
  5. Bildungsdefizite beheben, Leistungsstarke fördern. Jede Form der individuellen Unterstützung, die möglich ist, sollten wir nutzen. Dabei sind auch Möglichkeiten zu prüfen, private Schülerhilfe in Anspruch zu nehmen. Für Leistungsstarke wollen wir innovative Angebote wie die „digitale Drehtür“ fördern und unterstützen.
  6. Kreative Konzepte für die Zeit des Frühsommers und Sommers 2021 vorbereiten. Durch neue Angebote wie Sommerakademien oder Wochenendseminare können schulische Defizite ausgeglichen werden und vor allem auch wichtige Zukunftskompetenzen erlernt werden. Hierfür bedarf es kreativer Ansätze und Überlegungen, die die Erfahrungen des letzten Sommers 2020 einbeziehen.
  7. Aufholprogramm für Jugendliche im Bereich der non-formalen, außerschulischen Bildung. Es braucht mittelfristig mehr Plätze bei den Austauschprogrammen, eine Anpassung bei Ausbildungs- und Studienordnungen und Anreizprogramme für Praktika. Die Absicherung und der Ausbau der kulturellen Jugendarbeit, Ferienprogramme und der Freiwilligendienste muss angegangen werden.
  8. Abmilderung der psychosozialen und psychologischen Folgen der Corona-Pandemie. Wir müssen wissen, wie die letzten Monate auf die Psyche unserer Kinder und Jugendlichen gewirkt hat. Dafür braucht es eine groß angelegte Studie, die die vielen bereits bestehenden Aussagen und Kleinstudien ergänzt. Entscheidend wird es dann sein, einen Aktionsplan zu entwickeln wie wir in der Nachsorge der Corona-Pandemie diese möglicherweise entstandenen nachhaltigen psychologischen Folgewirkungen wieder abmildern können.